Archiv für den Monat: Januar 2016

Wir folgen den Anden… … immer nach Sueden

IMG_4544 Die 40 fuehrt ca. 5000 Kilometer durch Argentinien. Hier die Mitte: Kilometer 2500

Die beruehmte Ruta 40 war suedlich von Mendoza lange Zeit unser Zuhause. Immer weiter geradeaus, immer weiter in Richtung Sueden. Links die unendliche Pampa und rechts die Berge der Anden. Da suedlich von Mendoza nicht unbedingt das interessanteste Gebiet Argentiniens ist, haben wir uns auf die Fahne geschrieben, schnell Kilometer zu machen und sind losgerauscht.

IMG_4534  IMG_4518 Bei langen Tagesetappen wird die Zeit optimal genutzt- Kartoffeln schaelen beim Fahren IMG_4512  IMG_4536Argentinien kann heiss sein – Abkuehlstopp

Argentinien ist in Provinzen eingeteilt und wenn man dann so schnell unterwegs ist, dann passiert man an einem Tag schonmal mehrere dieser Provinzen. An den Grenzen finden dann regelmaessig Fruchtkontrollen statt, was heisst, man muss Zitrusfruechte, Fleisch, Kartoffeln oder andere Sachen abgeben. Als wir dann in die Provinz Neuquen gefahren sind, waren wir ueberrascht. Faengt doch hinter der Bruecke ueber den kleinen Fluss offiziell die Region Patagonien an – Wir sind also fast am Ziel unserer Reise und jetzt offiziell ganz im Sueden angekommen.

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Doch bevor die Reise beendet wird, steht noch einiges bevor: Ein paar Mal kreuzen wir noch zwischen Chile und Argentinien hin und her um auch moeglichst alles mitzunehmen, was man so erleben kann. Vor allem das chilenische Seengebiet mit seiner sanften Landschaft und den hoch hinausragenden Vulkanen war da als Highlight vorgesehen. Als Einstimmung auf die Seen haben wir uns schon auf argentinischer Seite den Lago Alumine angeschaut und direkt am Ufer gecampt. Der See war so warm, dass wir im Wasser baden konnten – mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Nur die Sanitaersituation war mal wieder typisch argentinisch!

DSC01455  DSC01452 DSC01447 DSC01419 DSC01417 DSC01416 Impressionen des Lago Alumine

Als wir dann kurz vor der Grenze ueber eine Schotterstrasse fuhren, kam ploetzlich ein Mann aus dem Gebuesch auf uns zu gelaufen und hat mit den Armen gewedelt. Wir dachten schon: “Oweh, was kommt jetzt? – braucht er vielleicht Hilfe?“ Aber er hatte was anderes im Sinn: „Hey, euren Bus habe ich schonmal gesehen, wir wollen euch zu nem Asado und Mate einladen!“ Wir haben also angehalten und kurz gequatscht. Sofort bekamen wir ein Broetchen mit Grillfleisch in die Hand!

IMG_4559 Argentinische Gastfreundlichkeit          DSC01413  IMG_4572 Surfergirl auf Holzbrett am Lago Aluminr – Das Wasser war warm            Camping in Argentina

Der Grenzuebergang nach Chile war dann aber eher unangenehm: Die Chilenen und Argentinier haben im Moment Ferienzeit und sind in Reiselaune! Meterlange Schlangen vor den Grenzschaltern und ca. 4 Stunden Wartezeit machten die Ueberquerung zum Geduldsakt. Froh waren wir, als wir dann doch noch Gemuese und Obst in einem kleinen Markt einkaufen konnten, bevor es zu den heissen Quellen des Rio Blanco ging.

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Puenktlich zum Hasengeburtstag waren wir dann bei den heissen Quellen, die uns echt gut getan haben. Sie sind zuper angelegt und das Wasser ist zwischen zu heiss und angenehm warm. Den ganzen. Mindestens 4 Mal waren wir im warmen Wasser baden.

IMG_4608  IMG_4600 IMG_4609 IMG_4612 Badespass im 35 Grad heissen Wasser                                                            Geburtstagskuchen

Und dann haben wir noch 3 Kaetzchen „gerettet“. Auf dem Weg nach Pukon sind wir mit ordentlich Tempo auf der frisch abgezogenen Schotterstrasse gefahren, als Eli ploetzlich Stopp ruft. Als ich den Bus gestopp habe, kommen sofort 3 kleine Babykaetzchen aus der Boeschung geklettert und laufen unter den Bus. Sie verstecken sich in den Raedern und am Motor um sich aufzuwaermen und nach ein paar Minuten ist klar: die wurden hier ausgesetzt. Da sie noch zu klein zum Ueberleben sind, packen wir sie in eine Pappkiste und bringen sie bis zum naechsten Ort. Dort geben wir sie bei einem Tierarzt ab und druecken die Daumen: Hoffentlich findet er jemanden fuer die kleinen Kitten!

IMG_4621  DSC01564 Katzenrettung in ChileIMG_4640 Schmuddelwetter aber trotzdem schoen

Dummerweise schlug dann am naechsten Tag das Wetter fuer ein paar Tage um und wir mussten durch das nun truebe Seengebiet weiterfahren. Die Vulkane sind immer ueber der Wolkendecke verschwunden und erst gestern ist das Wetter wieder so gut geworden, dass die Sonne und somit die Vulkane sich blicken liessen

IMG_4703  IMG_4693 Perfekter Vulkan                                                                   Perfekter BusIMG_4687  IMG_4688 Schwarzer Sand aus Vulkangestein – Die Vulkane sind regelmaessig aktiv                   Romantik!

In den 1850er Jahren sind sehr viele Deutsche nach Chile ausgewandert und deshalb die Einfluesse unserer Kultur hier sehr stark zu bemerken. Es gibt ordentliches Brot, Kuchen heisst auch Kuchen und die Hostels, Campingplaetze und Restaurants tragen Namen wie „zur Muehle“ oder „Am Wald“.. .. in Deutsch natuerlich!

IMG_4673  IMG_4670 Strand am See mit Vulkan im Hintergrund                      Gebirgsbach: Moechtegern-CampspotIMG_4665  IMG_4659 gigantische Pferdebremsen – der Einzige Nachteil von Patagonien

Als naechstes Highlight steht nun in ein paar Tagen die Carretera Austral – die angeblich schoenste Strasse Suedamerikas – bevor. Von Puerto Montt fuehrt sie durch die Schaeren und Fjorde Suedchiles bis zu den grossen Gletschergebieten Patagoniens. Wir sind gespannt!

IMG_4562  IMG_4561 Araukarien – Die beruehmten Baeume, die es nur in Patagonien gibt.

@ Mamas: uns gehts gut!

 

 

Mendoza und der argentinische Wein

IMG_4359 Literweise edle Tropfen

Mendoza liegt ungefaehr in der Mitte von Argentinien und ist vor allem fuer Eins bekannt: WEIN! Knapp 70 Prozent der argentinischen Weinproduktion werden hier hergestellt. Das Klima ist perfekt fuer die Trauben geeignet und im Laufe der Zeit hat sich eine ausgiebige Weinkultur ausgebildet. Im Sueden der Stadt reiht sich Weingut an Weingut und man kann Touren oder Weinproben an jeder Ecke machen.

IMG_4357 IMG_4358 Jahrelang reifen diese Weine vor sich hin

Sowas lassen wir uns natuerlich nicht entgehen! Da wir alles andere als Wein-Experten sind, haben wir uns auf die To-do Liste geschrieben etwas mehr ueber das „edle Getraenk zu lernen und wenn nicht hier, wo dann? Eine Flasche, die bei uns etwa 40 Euro kostet muss hier gerade mal mit ca. 5 Dollar bezahlt werden und eine Weinprobe mit 4 verschiedenen Weinen kostet am Ende ca. 4 Euro pro Person.

IMG_4341 IMG_4350 Man beachte: Nur 3 sind gleichzeitig auf!            Weingutromantik

Doch zunaechst noch eine Vorstellung: Brigitta, Gorms Schwester kam vor ein paar Tagen nach Argentinien, um uns etwas auf der Reise gen Sueden zu begleiten. Seitdem sind wir zu dritt unterwegs und haben, um zusaetzlichen Schlafplatz zu schaffen, ein Zelt besorgt. Das Leben im Bus klappt gut mit uns dreien und auch bei der im Folgenden beschriebenen Wein-Expedition waren wir zu dritt.

IMG_4423  IMG_4501 Unser Gast fuer ein paar Tage                       .. ueberall in Argentinien: Schreine fuer Gauchito Gil

Das aelteste Weingut in der Umgebung sollte fuer uns der erste Kontakt mit dem argentinischen Weinbau sein und so steuerten wir zielsicher den sehr kleinen betrieb „Estancia di Tommaso“ an. In alten, aus englischen Ziegeln gemauerten Tanks wurden hier bisf vor wenigen Jahren die edlen Tropfen vergoren. Heute werden die Tanks nur noch zur Lagerung des abgefuellten Weins benutzt. Drei Weine gabs als Probe in diesem rustikalen aber authentischen Unternehmen.

IMG_4370  IMG_4369  IMG_4358 IMG_4354  IMG_4352  IMG_4355 Impressionen vom Weingut di Tommaso

Ganz anders war der zweite Kontakt. Das groesste Wein-herstellende Unternehmen „Trapiche“  bot uns eine Weinverkostung im super-modernen und durchdesignten Ambiente fuer umgerechnet 4,30 Euro Pro Person an. Darin waren 4 edle Weine eingeschlossen und als Bonus am Ende der beste Wein des Hauses. Die Flasche kostet selbst im argentinischen Verkauf 30 Euro – Was man wohl bei uns dafuer bezahlen muss? Wir waren dann aber auch ziemlich angetrunken und mussten nach der Probe erstmal im Bus ausnuechtern, bevor es in die Berge ging.

IMG_4374 IMG_4376 IMG_4386  IMG_4366 Der Beste Chardonnay der Welt

Da der hoechste Berg Suedamerikas – der beruehmte Aconcagua – auch ind dieser Ecke liegt, wollte wir natuerlich nicht ohne einen Blick auf den Schneeriesen geworfen zu haben weiter fahren. Ca. 200 Kilometer mussten wir also absolvieren, um fast an der chilenischen Grenze beim Besucherzentrum anzukommen. Eine kleine Wanderung durch die sanfte und liebliche Bergwelt war schnell beschlossen. Fazit: Interessant, wie unterschiedlich Berge sein koennen. Ist auf der Lagunenroute noch alles von trockenem Sand und karger Umgebung gepraegt, laeuft man hier ueber gruene Wiesen, vorbei an Lagunen, in denen Enten schwimmen.

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Und dann nochmal Wein. Der luxurioese Hoehepunkt unseres Mendoza Programms war der Besuch bei Familia Zuccardi. Brigitta lud uns im edlen Restaurant zu einem typisch Argentinischen Mahl ein. Inclusive Weinen der Spitzenklasse, Vorspeise, Nachspeise und selbstgemachtem Olivenoel! Mit Sicherheit das beste Restaurant, das wir auf dieser Reise besucht haben.

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Abschied vom Wein nahmen wir dann im Valle del Uco, etwas weiter suedlich. Bei Pulenta Estates gab es unsere letzte Fuehrung mit professioneller Erklaerung.  Zusammenfassend kann man sagen, dass wir sehr viele Weine probiert haben in der letzten Woche, uns am Ende aber nicht viel schlauer fuehlen als davor. Durch die vielen Eindruecke und Geschmaecke lassen sich fuer uns Anfaenger die Geschmaecke nur schwer unterscheiden.

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Seit Mendoza sind wir dann wieder flott unterwegs, um gegen Ende Januar unser Etappenziel Puerto Montt zu erreichen, wo Brigitta wieder aussteigt und ihren Mann Horst im Empfang nimmt. Zwischendurch wird aber trotzdem noch der Entdeckergeist gefordert. Das Seen-Gebiet von Chile steht bevor und gerade gestern haben wir offiziell die Grenze zu Patagonien mit dem Uebertritt in die Provinz Neuquen ueberschitten.

IMG_4499  IMG_4505  IMG_4507  IMG_4388 IMG_4497  IMG_4619 Roadtrip-Impressionen

@ Mamas: Uns geht’s gut~

Argentinien

IMG_4165Morgens im Geysierfeld

San Pedro de Atacama ist touristisch! Aber alleine schon deshalb haben wir nach der Einsamkeit der Lagunenroute das lebendige Treiben in dem kleinen Ort unterhalb des Vulkans Lincancabur genossen. Abends gehen Touristen in Kneipen, es gibt Campingplaetze und das Leben macht einen entspannten Eindruck. Da kann man fast von Kulturschock sprechen, wenn man aus Bolivien kommt. In den Geschaeften sind die Preise der Waren ausgezeichnet und man muss aufpassen, dass man nicht unfreundlich wird, weil man alles wie gewohnt knallhart verhandeln will!

IMG_4056  IMG_4060 Chile                                                                        San Pedro de Atacama in der AtacamawuesteIMG_4062  IMG_4077 Valle de la Luna bei San Pedro                             Im Rueckspiegel von unserem Nachtplatz!

San Pedro ist auch das „Tour-Zentrum“ von Nordchile. In der Fussgaengerzone reiht sich ein Anbieter an den naechsten. Es werden Touren ueber die Lagunenroute, zu chilenischen Lagunen, ins Valle de la Luna und zu den Tatio-Geysieren angeboten. Besonders die Bilder von den Geysieren haben uns auf den Werbeplakaten gut gefallen und ohne gross zu ueberlegen, hatten wir unsere eigene Tour.. Im eigenen, blauen Tourfahrzeug natuerlich!

IMG_4184 IMG_4185 Trockenes Land                                                      schoene Frau IMG_4183 IMG_4197 Blumen in der Wueste                                        Overlanding Traum mit schoenen Wolken

Also wieder rein in den blauen Roadrunner und ab in die Berge. Die Geysiere liegen naemlich auf ca. 4300 m Hoehe an der beruehmten Transaltiplanica. Sie fuehrt am Altiplano entlang durch die schoene Bergwelt, die wir noch sehr gut in Erinnerung hatten und nach ca. 80 Kilometern kommt man dann am Geysierfeld an. Ueberall blubbert kochendes Wasser aus insgesamt ueber 500 Oeffnungen aus der Erde – Entweder in Form von Matschloechern, heissen Becken oder Geysieren, die ihr Wasser in die Luft schiessen. Da es unsere ersten Geysiere waren, haben sie uns schwer beeindruckt!

IMG_4093  IMG_4100 IMG_4104 IMG_4112 Das Tatio- Geysierfeld – Gorm geniesst es im heissen Dampf zu stehen!

Die professionell organisierten Touren sind immer so geplant, dass sie um 6 Uhr morgens am Ort des Geschehens eintreffen. Dann herrscht noch kein Wind und die Dampfsaeulen steigen senkrecht in den kalten Morgenhimmel auf. Da man da oben aber campen kann, sind wir schon am Vortag aufgebrochen und hatten am Nachmittag das ganze Geysierfeld fuer uns alleine und konnten in einem lauwarmen Pool baden.

IMG_4157  IMG_4154 Frueh am Morgen ist es kalt auf 4300 Metern Hoehe. Die Geysiere dampfen da besonders gutIMG_4122 IMG_4127 Loecher ins Erdinnere                                 Dem Matsch beim Blubbern zuschauen = Toll!

Die Nacht war dann wieder brutal kalt mit minus 7 Grad und am Morgen bot sich ein aehnliches Schauspiel wie auf der Lagunenroute. Dass unser Handywecker nicht geklingelt hat, war nicht schlimm: Der Laerm der vielen Tourfahrzeugen hat uns auch so aus dem Schlaf geruettelt. Nachdem wir dann aber gemeinsam mit hunderten Touristen die Geysiere nochmal in Augenschein genommen hatten, haben wir uns nochmal fuer ein paar Stunden hingelegt. Wir mussten schon schmunzeln, als wir dann so bei geschlossenen Vorhaengen im Bett lagen und von draussen hoerten: „Gugg emol, e Kreiznacher“.

IMG_4161  IMG_4163   Fruehstueckseier im Geysier kochen                         Dauert doppelt so lange wie im Kochtopf

Als es dann wieder ruhig war am Feld, gab es bei uns nur noch Fruehstueck mit im Geysier gekochten Eiern. Dann ging es wieder ins Tal und am uebernaechsten Tag los in Richtung Argentinien. Auch wenn es vorerst nur ein kurzer Besuch in Chile war, war es doch schoen und wir werden weiter suedlich sicher nochmal kreuzen. Ist ja noch genug Platz im Reisepass.

IMG_4139  IMG_4154 Busromantik im Hochgebirge!

Der noerdlichste Grenzuebergang zwischen den beiden Laendern ist der Paso Jama, der uns ueber 4800m Hoehe von San Pedro bis nach Purmamarca fuehrte. Die Grenzstation mit den Einreise- und Zollformalitaeten war schnell passiert und wir in unserem 15. Reiseland. In Argentinien ist Trampen ein wichtiger Teil der Fortbewegungsoptionen fuer junge Leute und so hatten wir auf dem Weg nach ueber den Pass auch 2 Gaeste an Bord!

IMG_4225  FUENFZEHN Laender!                                                                  IMG_4190  IMG_4211 Auf dem Paso Jama – Leider haben wir hier eine Radkappe verloren und muessen jetzt immer hin und her wechseln fuer Fotos :)                             beruehmter bunter Felsen bei Purmamarca

Unsere erste grosse Anlaufstelle in Argentinien war dann Salta. Dort wurde Geld gewechselt und besonders auf dem Campingplatz eine schoene Zeit verbracht. Mit Margrit und Walter hatten wir schnell Freundschaft geschlossen und als wir gerade auf dem Weg waren, um Grillzeug zu besorgen fuer das gemeinsame Abendessen, kamen noch Ronnie und Patricia und Jamie und Glenda dazu. Am Ende wurde alles geteilt und wir haben bis spaet in die Nacht zusammengesessen und uns direkt nochmal fuer den naechsten Abend nochmal verabredet. Besonders solche Abende schaetzen wir sehr! Wenn man mit anderen Overlandern zusammensitzt, ist es egal, ob 50 Jahre Altersunterschied zwischen Freunden liegen. Man begegnet sich auf Augenhoehe und wird nicht nur unter jung, alt oder aus einem anderen Land abgestempelt. Hoffentlich sieht man sich bald wieder!

IMG_4237  IMG_4235  IMG_4233 IMG_4241  IMG_4242 IMG_4232 Overlander-Leben in Salta

Die Dakar-Rally ist ja im Moment auch in Argentinien unterwegs, was fuer uns jedoch mehr Fluch als Segen bedeutete. Strassen wurden fuer das Rennen gesperrt und waren danach nur noch eine einzige Schrottpiste: Umgewuehlt und aufgebrochen. Ausserdem haben wir beim Ausparken vom Spectators-Point rueckwaerts einen Strommasten „gekuesst“, war aber halb so wild!

IMG_4230 IMG_4298 IMG_4300  IMG_4229 Impressionen der Dakar-Rally in Argentinien!

Und dann wurden wir noch von einem Fernsehteam interviewt. Als wir gerade auf dem Weg nach Cachi waren, hat uns in den Bergen spontan ein Fernsehteam auf der Strasse angehalten. Wo wir denn her kaemen und ob wir Zeit fuer einen kurzen Spot haetten. 10 Minuten Interview und danach noch ein bisschen rumfahren. Die Gruppe dreht Filme ueber den argentinische Tourismus und ist sehr gut ausgestattet gewesen. Am Ende sind sie mit einer Video-Drohne ueber uns hergeflogen und haben uns in den Bergen gefilmt! Die ersten Bilder haben sie uns schon geschickt: gut geworden! Ein paar Tage spaeter war dann im Facebook auf einmal die Hoelle los und wir wunderten uns ueber 1300 neue Likes.

Hier der Link: http://intriper.com/desde-canada-hasta-la-patagonia-en-una-volkswagen-16-meses-de-viaje/

14 13 11 10 8 6 5 4 2  1 Photoshoot mit professionellem Equipment!

Ansonsten reisen wir im Moment mit Volldampf nach Sueden. Immer mit einem Becher Mate in der Hand! Patagonien ruft und vor allem kriegen wir bald Besuch! In Mendoza erweitern wir die Busbesatzung fuer eine Weile um Brigitta, Gorms Halbschwester.

IMG_4312 IMG_4313IMG_4309  IMG_4323 Die Canyons von nordargentinien geniesst man am besten mit einer Mate!

@ Mamas: Uns geht’s gut!

 

 

Das groesste Abenteuer unserer Reise!

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Grundschulkinder haben doch oft diese „Freunde-Buecher“, in denen die Frage nach dem verruecktesten oder aufregendsten, was man je gemacht hat, gestellt wird. Seit ein paar Tagen haben wir eine neue Antwort auf diese Frage: Wir sind die Lagunen-Route in Bolivien mit dem Bulli gefahren. Und zwar von Norden nach Sueden – auf der legendaeren West-Route!

IMG_4040 Farbenfrohe Bergkulisse – Manchmal glaubt man zu traeumen!

Die Lagunenroute ist eine der bekanntesten Hochland-Strecken auf der Welt und fuehrt von Uyuni in Bolivien bis nach San Pedro de Atacama in Chile. Zu absolvieren sind ca. 500 Streckenkilometer, die von sehr steinigen Passagen bis hin zu sehr tiefem Sand alles an Piste zu bieten haben, was das Herz eines Offroad-Profis schneller schlagen laesst. Es gibt dabei verschiedene Moeglichkeiten, die Route zu absolvieren. Die Ost-Route gilt als leichter und weniger anspruchsvoll. Die West-Route ist die schwerste und hat die uebelsten Pisten – dafuer aber auch die schoensten Landschaften zu bieten. Beide sind ausgesprochen nur mit allradbetriebenen Fahrzeugen zu absolvieren. Da faellt die Wahl mit unserem 42 Jahre alten 2-Rad-Antriebs-Bus ja leicht…

IMG_3817 IMG_3801 Bilder aus der Mondlandschaft – Trocken ist es hier!

… Wenn schon, denn schon: Dass wir die Westroute nehmen, war schnell entschieden und da es ein Abenteuer werden sollte und weil alle anderen befreundeten Overlander unserem Zeitplan etwas hinterherhinkten, sind wir alleine in Uyuni aufgebrochen, um diese aufregende Piste zu meistern. Ab Uyuni sollte es dann aber auch erstmal leicht losgehen. In Richtung Chile faehrt man auf einem gut befestigten Schotterweg fuer ein paar Stunden und kann dank der moeglichen Geschwindigkeit viele Kilometer in kurzer Zeit fahren. Da die Sonne sich schon gen Horizont neigte, haben wir kurzfristig beschlossen, in einen kleineren Feldweg abzubiegen, um zu uebernachten und siehe da: Auch Ricardo, Runa und der 13-monatige Loris aus Deutschland hatten sich diesen Weg mit ihrem Sprinter aus Deutschland als Nachtquartier ausgesucht. Auch ihr Plan war die Lagunenroute zu fahren und so stand fest, dass wir in den naechsten Tagen noch oefter uebereinander stolpern werden.

IMG_3733 IMG_3745 Die gefrorene Laguna Honda wirkt gelb am Morgen                 Sandpiste – einfach querfeldeinIMG_3768 IMG_3770 Pause in den Bergen

Am naechsten Morgen war dann endlich der Moment gekommen, dem wir beide so beaengstigt aber auch voller Vorfreude entgegengeblickt hatten: Es ging vom befestigten Weg auf das Herzstueck der Lagunenroute ab. Bei Kilometer 190 setzten wir zum letzten Mal den Blinker nach links, um nach nur 2 Kilometern in einem steilen, steinigen Kletterabschnitt wieder anzuhalten. Ein Toyota Landcruiser, den die „professionellen“ Touranbieter fuer Touristentouren nutzen, hatte einen Platten und versperrte den Weg. Durch einen vermutlichen Steinkontakt war das Ventil aus der Felge geflogen und der Jeep ruehrte sich nicht mehr. Der bolivianische Fahrer hatte weder Wagenheber noch Werkzeug dabei, weswegen kurzerhand Eli und Gorm dem Bolivianer den Reifen mit ihrem Werkzeug wechselten. Das fing ja gut an!

IMG_3616 IMG_3620 Abzweigung zum harten Teil der Route                Vorgeschmack auf die PistenIMG_3623 Ohne unser Werkzeug kein Weiterkommen!

Die ersten paar Kilometer ging es dann auf wirklich sehr steinigem Weg quer ueber einen Bergruecken. Der Weg war tief ausgefahren und von handballgrossen Steinen uebersaeht. Trotz der eigentlich richtig guten Bodenfreiheit des kleinen blauen Helden sind wir hier nicht nur einmal mit dem Unterfahrschutz oder der Vorderachse an Steinen haengen geblieben. Oft ist dann Eli ausgestiegen und hat mal ein bisschen auf der Lagunenroute aufgeraeumt und Steine vom Weg geschleppt! Die ersten Kilometer waren wirklich eine Herausforderung! Bei einer Mittagspause fuehlten wir uns dann wie im Zoo. Die vorbeifahrenden Tourjeeps machten extra langsam wie bei einer Safari, um den Touristen ein moeglichst gutes Foto von uns zu ermoeglichen. Diese schauten auch mit heruntergefallenen Kinnladen aus den Fenstern der Offroad-Autos und jubelten uns zu! Wer erwartet schon einen 42 Jahre alten Bus in solchem Gelaende? Genau: Nur wir!

IMG_3645  IMG_3646 Gelaende fuer Jeeps                                                                        oder BullisIMG_3684 Da passt nicht mehr viel dazwischen – Immer Ideallinie fahren ist angesagt!

Ab kurz vor der Laguna Canapa wurde es dann sandiger und weniger uebel zu fahren. Obwohl wir im Vorfeld am meisten Respekt vor den Sand-Abschnitten hatten, haben wir uns bis zum Schluss nie eingegraben und mussten den Bus nie freischaufeln. Doch auch hier sind die Spuren sehr tief und deshalb durchpfluegten wir als wahrscheinlich die niedrigsten Passanten immer wieder den Mittelstreifen zwischen den Spuren mit der Vorderachse. Es gehoert aber auch einiges an Glueck dazu, Bodenkontakt zu vermeiden. Oftmals steht man vor an einer Gabelung, bei der die Entscheidung zwischen 8 oder mehr parallel verlaufenden Spuren ansteht. Wenn man sich dann fuer die Beste entscheidet, heisst das nicht, dass sie nach 250 Metern immer noch gut ist. Die Lagunenroute ist insbesondere zu Beginn ein Labyrinth!

IMG_3637 IMG_3641  Welche Spur ist die Beste?                                                 Glueckssache!IMG_3656  IMG_3658 Eli raeumt die Lagunenroute auf                                                            Und wird dreckig!

Die Laguna Canapa ist die erste von mehreren Lagunen im noerdlichen Teil der Lagunenroute. Neben ihr gibt es noch ein paar weitere. Besonders schoen fanden wir die Laguna Hedionda, die mit ihrem unwirklichen gruen und den vielen Flamingos beeindruckte. Unser naechstes Nachtquartier haben wir an der Laguna Honda bezogen. Sie ist besonders durch ihre Halbinsel beliebt, auf der man sehr nah bis an die Flamingos heranlaufen kann. Nachts ging das Thermometer erstmals auf ca. -5 Grad herunter. Frostig aber dank der trockenen Luft und den gefuellten Waermflaschen gemuetlich warm im Bus! Nur die Angst, dass der Weg am naechsten Tag noch schlimmer wuerde, raubte uns den Schlaf. Aus lauter Sorge um den Bus waren wir wirklich nah an unserer Belastungsgrenze an diesem Tag!

IMG_3670 IMG_3673 Flamingobetrachtung                                            Abflug!

Unser Nachtplatz war die letzte Lagune im noerdlichen Teil der Lagunenroute, die direkt am Weg liegt und von ihr aus geht es in die Berge. Querfeldein ueber Sandfelder und Schotterabschnitte. Auch kleinere Kletterpassagen standen wieder an aber der Weg war laengst nicht mehr so uebel wie am ersten Tag. Der Untergrund ist weicher und Steinkontakt mit der Vorderachse kommt nur noch sehr selten vor. Um uns aus sandigen Situationen auf der Route befreien zu koennen, hatten wir extra in Uyuni noch 2 Holzbretter besorgt, die wir notfalls unter die Reifen schieben konnten. Doch dazu kam es ja gar nicht erst! Der kleine Racker zog unerschrocken auch durch den tiefsten Sand bis auf ca. 4.700 Meter hoch und grub sich auch am zweiten Tag kein einziges Mal ein. Ob es an dem Reifendruck von nur 1,3 Bar lag?

IMG_3695 IMG_3711 Die gruene Laguna Hedionda                   HochlandimpressionenIMG_3724 IMG_4071

Nachdem die hohen Paesse gemeistert waren, ging es dann wieder etwas bergab und schon am fruehen Nachmittag waren wir an der beruehmtesten Lagune Boliviens – der Laguna Colorada! Unser erstes Ziel war der noerdliche Aussichtspunkt, wo wir gemeinsam mit unseren Freunden im blauen Sprinter ruhten. Wir haben dort gekocht und wollten gerade zu den tausenden Flamingos am Ufer heruntersteigen, als ein Parkwaechter intervenierte: Gleich kommen die ganzen Tourjeeps und wenn einer heruntersteigt, dann wuerden das alle machen, deshalb VERBOTEN!

IMG_3798 IMG_3809 Gorm mit der Fahne der Aymara                         Der Baum aus Stein – Arbol de PiedraIMG_3821  IMG_3819 Noch nicht viele VW-Bullis sind ueber die Westroute bis hierhin vorgedrungen .. und so dreckig

Tourfahrzeuge? Das wollten wir eigentlich gar nicht sehen! Wir starteten kurzerhand den Motor und duesten ab zum suedlichen Mirador! Doch auch dort herrschte schon Tourismushochzeit! Als wir ankommen, stehen ca. 4 Tourjeeps da. Eine halbe Stunde spaeter sind es 24! Hunderte Tourteilnehmer laufen herum und machen Fotos. Oft hat man den Eindruck, dass die armen Leute garnicht mehr wahrnehmen, was sie da eigentlich sehen. Schnell raus, Fotos machen und dann weiter. Schade! Nach nur 2 Stunden waren wir dann auch wieder allein in diesem Naturschauspiel.

IMG_3864Invasion der Tourfahrzeuge – Welches wuerdest du nehmen?                     IMG_3859  IMG_3863  IMG_3887 Flamingo Nahaufnahme und abendlicher Blick auf die Lagune vor unseren Fuessen!

Die Laguna Colorada ist naemlich ein wirklicher Knaller. Am Nachmittag faerbt sich das Wasser wegen einer besonderen Algenart, Mineralien und der Sonneneinstrahlung blutrot. Dazu stapfen hunderte, ach tausende, Flamingos durchs seichte Wasser und durchkaemmen die Furchen nach Futter! Wir haben dann kurzerhand entschieden, an diesem schoenen Ort einfach ueber Nacht zu bleiben. Generell herrscht auf der Lagunenroute zumindest nachmittags immer starker bis sehr starker Wind, der auch an diesem Platz bis um halb 8 toste.

IMG_3841  IMG_3870 Die blutrote Laguna Colorada                                           Unser Campingplatz

Ein weiteres Highlight der Lagunenroute ist der Sternenhimmel! Da im Umkreis von mehreren hundert Kilometern keine nennenswerte Stadt ist und somit die Lichtverschmutzung ausbleibt, kann man die Sterne so klar sehen wie nur selten. Fuer uns zumindest war es der schoenste Sternenhimmel, den wir je gesehen haben!

IMG_3891 IMG_3901 Sternenhimmel auf der Lagunenroute                          In der Pfanne gefriert das Wasser

Ab der Laguna Colorada in Richtung Sueden wird der Weg besser, heisst es! Und es stimmt auch. Nach der Passage eines weiteren tief ausgefahrenen Sandfeldes kamen wir am naechsten Morgen bei so etwas wie einer Strasse an, die zwar noch recht steinig ist, aber besser befahrbar ist als alles, was wir zuvor gesehen hatten. Unser erstes Tagesziel war zunaechst eine alte Borax-Fabrik, in der das Zollbuero der bolivianischen Aduana untergebracht ist und dort regelten wir dann unsere Ausreiseformalitaeten. Interessanterweise haben wir bei dem Zollbuero auch einen neuen Hoehenrekord fuer den Bus geschafft. 5030 Meter!

IMG_3945 IMG_3941 Hoehenrekord beim Zoll in Bolivien

Nachdem alles erledigt war, tankten wir den Rest unseres 50 Liter Benzinrvorrates aus Kanistern in den Tank und duesten ueber die fuer Lagunenroute-Verhaeltnisse sehr gute Piste zu den heissen Quellen von Chalviri. Dort badeten wir mit unglaublichem Blick auf die Bergkulisse in ueber 30 Grad warmem Wasser und liessen es uns gut gehen. Die Lagunenroute war nun schon fast geschafft. An den Quellen trafen wir auch auf Franzosen, die mit ihrem Peugeot Boxer auf der Lagunenroute unterwegs waren. Sie erzaehlten, dass sie sich auf der einfacheren Ost-Route 2 Mal so eingegraben hatten, dass sie jeweils 4 Stunden graben mussten, um wieder weiter zu kommen. Ein hoch also auf unsere kleine blaue Bergziege

IMG_3963 Baden mit Ausblick                                                                               IMG_3975  IMG_3973 Auftanken der letzten Reserve unseres 50-Liter Vorrates!

Die letzte Nacht auf der Lagunenroute haben wir an der Laguna Verde, direkt an der chilenischen Grenze verbracht. Morgens um 11 Uhr verfaerbt sie sich von glasklar in hellgruen. Dieses Schauspiel wird dann auch wieder von Touristentouren angefahren, so dass genau zur Verfaerbungszeit unzaehlige Jeeps herumstehen und wir ununterbrochen interviewt wurden. Kurz drauf war wieder alles leer und die Bergwelt gehoerte uns wieder ganz alleine.

IMG_3993  IMG_4001  Lagune Verde um 11 Uhr …                       … und 15 Minuten spaeterIMG_4017  IMG_4045 Unser Campspot am letzten Abend der Lagunenroute   IMG_3989  IMG_3986 Noch schnell den Honig essen, bevor er uns an der chilenischen Grenze abgenommen wird.

Trotzdem hiess es dort Abschied von den beruehmten Route zu nehmen. Nur noch 14 Km trennten uns vom Grenzposten und kurz dahinter faengt der Asphalt wieder an. San Pedro de Atacama in Chile ist nur 47 Km entfernt aber fast 2KM tiefer gelegen als die Grenze. Fuer mehr als eine halbe Stunde konnten wir also den Bus rollen lassen und uns auf den Kulturschock „zurueck in die moderne Welt“ vorbereiten.

IMG_4054 IMG_4051 Wohin solls gehen?                                                   Tschuess Lagunenroute

Wir sind echt froh, mit dem nicht Allrad-Bus so gut durch diese unwirtliche Landschaft durchgekommen zu sein. Er hat sich als wahrer Offroad-Profi erwiesen und alle Pisten ohne mit dem Lampenring zu zucken, gemeistert. Als wir in San Pedro ankamen, haben wir uebrigens ein Paar getroffen, das sich dagegen entschieden hatte, mit ihrem top ausgeruesteten Allradfahrzeug Landrover Defender die Route zu fahren – „wir wollen das Auto ja nicht schrotten!“ So betrachtet haette es bei uns natuerlich auch anders ausgehen koennen, aber wir sind sehr froh und dankbar, dass wir die Lagunenroute auch abseits hunderter Tourfahrzeuge geniessen konnten.

IMG_3927  IMG_3968 Verendetes Vicuna                                         Nochmal die Hochland-Badelandschaft.. schoen!

@Mamas: Uns geht’s gut

IMG_3930 Langsam fahren!