Ein Besuch beim Kaesekoenig, Gaeste aus Deutschland und dann in die Grossstadt

Der El Cocuy Nationalpark hat uns so sehr beeindruckt, dass wir fuer unsere Verhaeltnisse viel Zeit dort verbracht haben. Wandern, auf Gletscher schauen und sich an die extreme Hoehe gewoehnen braucht eben seine Zeit. Prinzipiell ist da auch nichts dagegen zu sagen: Ausser man hat eben einen Termin auf der anderen Seite des Landes – In Medellin, zwei Anden-Kordillieren weiter westlich.

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Lisa und Rahel, 2 Freunde aus Deutschland, haben sich angekuendigt, mit uns ein paar Tage auf der Reise zu verbringen und die Bus-Crew neben uns und Gorms Bruder auf 5 Personen zu erweitern! Fuer die ca. 800 Km zwischen uns und Medellin haben wir uns 4 Tage Zeit genommen. Man braucht ja schon alleine einen ganzen Fahrtag, um aus den Bergen wieder in die Zivilisation zu gelangen. 240 Kilometer in 11 Stunden Fahrt fuehrten uns aber dann doch an unser erstes Etappenziel: Iza.

IMG_1188  IMG_1058 Unsere neue Busbesatzung fuer eine Woche                                        Rueckweg aus El Cocuy

Iza ist bekannt fuer seine heissen Quellen und fuer Postres – leckere Suessspeisen, die in Auflaufformen zubereitet werden. Um nicht immer nur im Auto zu sitzen, sind wir also am Morgen noch in die heissen Quellen baden gegangen und haben dort German (gesprochen Herrmann) kennengelernt. Er hat uns in dem Becken zum Wettschwimmen herausgefordert und darueber sind wir ins Gespraech gekommen. Er war von uns und unserer Reise so begeistert, dass er uns zu einer Besichtigung seines „kleinen Unternehmens“ einlud. „Ach kommt schon – nur eine halbe Stunde.“

IMG_1098 IMG_1100 Die Qual der Wahl                                                                                                         Alles ist lecker!

„OK“ – So sind wir dann nach dem Baden und leckeren Postres dorthin gefahren und haben nicht schlecht gestaunt: German ist sozusagen der kolumbianische Kaesekoenig. In seiner Fabrik – in der uebrigens noch fast alles auf traditionelle Weise von Hand gemacht wird – wandelt er Milch in die verschiedensten Produkte um. Alles ist sehr sauber und die ca. 75 Angestellten produzieren taeglich Kaese aus vielen tausend Litern Milch. Wir durften frischen Kaese und Arequipe probieren. Spaeter haben wir angefangen, seine Produkte in den Geschaeften zu suchen: Man findet sie ueberall!

IMG_1104   Kaesefabrik  Peslac in der Naehe von Iza                         IMG_1105 IMG_1103 Der Kaesekoenig und wir                                      Seine Lkw’s sind im ganzen Land unterwegs

Villa de Leyva, 130 km weiter westlich: Die schoene Kolonialstadt war leider nur fuer eine Nacht unser Lager. In einem hippen Hostel haben wir heisse Duschen genossen und sind nachts durch die romantisch beleuchteten Gassen der Stadt gelaufen. Hier haetten wir noch mehr Zeit verbringen koennen, haetten wir nicht einen Termin gehabt. Am naechsten Morgen ging es weiter.

IMG_1114 IMG_1112 Villa de Leyva bei Nacht

Google Maps schlug uns vor ueber Bogota nach Medellin zu fahren. Ueber die Ruta 62 (etwas weiter noerdlich) waren es aber ca.150 Kilometer weniger und im Streetview sah die Strasse schoen asphaltiert aus. Warum also nicht, dachten wir uns! Und so ging es los. Die ersten 20 Kilometer waren schon Schotter, dann Asphalt fuer ca. 50 Kilometer und der Rest ein wilder Mix aus immer wieder 2 Kilometern guter Strasse und dann wieder 2 Kilometern uebelster Piste, zwischendurch steckenbleiben in verstopften Bergdoerfern, die gerade Wahlkampfveranstaltungen ausrichteten. Fazit nach 8 Stunden Fahrt: Durchschnittsgeschwindigkeit ca. 25 Km/h.

IMG_1184 IMG_1171 Fuer einen Zeitungsartikel haben wir den Bus mal so richtig aufgeraeumt.

Wir haben es trotzdem noch geschafft, rechtzeitig in (oder besser bei) Medellin anzukommen. Sofort als wir beim Hostal La Finca etwa 40 km noerdlich der Metropole durchs Tor fuhren, war der ganze Fahrstress vergessen. Mathilde und Alexis, die Besitzer der Finca, sind Bekannte von unserer neuen Busbesatzung und sehr um ihre Gaeste bemueht. Es gibt einen wunderschoenen Pool, einen kleinen Wasserfall und ein rundum schoenes Anwesen – alles laedt zum relaxen ein. 6 Uebernachtungen  sollten es in diesem traumhaften Ambiente werden.

IMG_1318 Eine Woche lang gemeinsamer Urlaub                                                       IMG_1315   IMG_1313  Essbereich im Hostal La Finca                                                                                                      PoolIMG_1310 IMG_1326 Wir haben da alle ganz gut reingepasst..   …unter anderem auch wegen der netten Leute da.

Wer unsere Reise nun aber die letzten Monate mehr oder weniger verfolgt hat, der weiss, dass wir es meistens nicht lange irgendwo aushalten, ohne zumindest in der Zwischenzeit etwas zu unternehmen. Ein Ausflug nach Santa Fe de Antioquia stand also bald auf dem Programm. Wieder viele schoen angemalte Haeuser wurden beim vorbeigehen bestaunt und dann das Highlight: Eine Haengebruecke aus dem Jahre 1887. Bruecken wie diese sind fuer uns faszinierend: Vor so  langer Zeit wurde ein Bauwerk errichtet, dass Menschen verbindet und Unueberwindbares ueberwindbar macht. Ausserdem sieht sie gut aus und es macht Spass, darueber zu fahren.

IMG_1227 IMG_1210 Spektakulaere Haengebruecke aus dem Jahr 1887, einst die groesste in SuedamerikaIMG_1197  IMG_1192 Moped-Romantik                              Und schon wieder eine Kolonialstadt

Das zweite Highlight in unserer Woche auf der Finca war eine Kaffeetour. Reynaldo, ein Freund von Alexis (s.o.), hat sich fast 4 Stunden Zeit genommen, alle noch so kleinen Details auf seiner Kaffefarm zu erklaeren. Von der Aufzucht der Straeucher bis hin zur Ernte und der Verarbeitung des Kaffees wurde uns eine sehr interessante Lektion in Sachen Kaffee gegeben. Wir durften fleissig mit anpacken, unseren eigenen Kaffee roesten und am Ende das Endprodukt trinken.

IMG_1292 IMG_1262 IMG_1250 IMG_1252 IMG_1276  IMG_1308 IMG_1245  IMG_1239  IMG_1237 Kaffeefarm-Impressionen

Nun sind wir in Medellin, der Stadt mit dem schlechten Ruf in Europa. Ganz im Gegenteil zu den Geschichten, die man aus den 90er Jahren noch im Kopf hat ist es eine moderne Stadt mit vielen jungen Menschen. Alles ist quicklebendig, mitunter ganz schoen hip und eine friedliche Atmosphaere des Aufbruchs liegt zwischen den Hochhaeusern. Um aermere Stadtteile an der Entwicklung der Stadt teilhaben zu lassen, wurden zum Beispiel Seilbahnen in die steilen Vororte gebaut, die die Bewohner nutzen koennen.

IMG_1330  IMG_1333 Grossstadt-Dschungel Medellin                                                                        Ueberblick bei NachtIMG_1342  IMG_1343 Seilbahnen fahren in die Aussenbezirke – In einem solchen Talkessel eine gute Fortbewegung

Nachdem jetzt Gernot nach fast 4 Wochen wieder in die Heimat geflogen ist, werden wir uns in den naechsten Tagen auch von Lisa und Rahel wieder verabschieden. Fuer uns geht es dann weiter nach Guatape und dann geht das Abenteuer weiter!

IMG_1339 IMG_1350 Die Maedels ueber den Stadtlichtern  – Medellin

@ Alle Mamas: uns geht es gut

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