Das groesste Abenteuer unserer Reise!

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Grundschulkinder haben doch oft diese „Freunde-Buecher“, in denen die Frage nach dem verruecktesten oder aufregendsten, was man je gemacht hat, gestellt wird. Seit ein paar Tagen haben wir eine neue Antwort auf diese Frage: Wir sind die Lagunen-Route in Bolivien mit dem Bulli gefahren. Und zwar von Norden nach Sueden – auf der legendaeren West-Route!

IMG_4040 Farbenfrohe Bergkulisse – Manchmal glaubt man zu traeumen!

Die Lagunenroute ist eine der bekanntesten Hochland-Strecken auf der Welt und fuehrt von Uyuni in Bolivien bis nach San Pedro de Atacama in Chile. Zu absolvieren sind ca. 500 Streckenkilometer, die von sehr steinigen Passagen bis hin zu sehr tiefem Sand alles an Piste zu bieten haben, was das Herz eines Offroad-Profis schneller schlagen laesst. Es gibt dabei verschiedene Moeglichkeiten, die Route zu absolvieren. Die Ost-Route gilt als leichter und weniger anspruchsvoll. Die West-Route ist die schwerste und hat die uebelsten Pisten – dafuer aber auch die schoensten Landschaften zu bieten. Beide sind ausgesprochen nur mit allradbetriebenen Fahrzeugen zu absolvieren. Da faellt die Wahl mit unserem 42 Jahre alten 2-Rad-Antriebs-Bus ja leicht…

IMG_3817 IMG_3801 Bilder aus der Mondlandschaft – Trocken ist es hier!

… Wenn schon, denn schon: Dass wir die Westroute nehmen, war schnell entschieden und da es ein Abenteuer werden sollte und weil alle anderen befreundeten Overlander unserem Zeitplan etwas hinterherhinkten, sind wir alleine in Uyuni aufgebrochen, um diese aufregende Piste zu meistern. Ab Uyuni sollte es dann aber auch erstmal leicht losgehen. In Richtung Chile faehrt man auf einem gut befestigten Schotterweg fuer ein paar Stunden und kann dank der moeglichen Geschwindigkeit viele Kilometer in kurzer Zeit fahren. Da die Sonne sich schon gen Horizont neigte, haben wir kurzfristig beschlossen, in einen kleineren Feldweg abzubiegen, um zu uebernachten und siehe da: Auch Ricardo, Runa und der 13-monatige Loris aus Deutschland hatten sich diesen Weg mit ihrem Sprinter aus Deutschland als Nachtquartier ausgesucht. Auch ihr Plan war die Lagunenroute zu fahren und so stand fest, dass wir in den naechsten Tagen noch oefter uebereinander stolpern werden.

IMG_3733 IMG_3745 Die gefrorene Laguna Honda wirkt gelb am Morgen                 Sandpiste – einfach querfeldeinIMG_3768 IMG_3770 Pause in den Bergen

Am naechsten Morgen war dann endlich der Moment gekommen, dem wir beide so beaengstigt aber auch voller Vorfreude entgegengeblickt hatten: Es ging vom befestigten Weg auf das Herzstueck der Lagunenroute ab. Bei Kilometer 190 setzten wir zum letzten Mal den Blinker nach links, um nach nur 2 Kilometern in einem steilen, steinigen Kletterabschnitt wieder anzuhalten. Ein Toyota Landcruiser, den die „professionellen“ Touranbieter fuer Touristentouren nutzen, hatte einen Platten und versperrte den Weg. Durch einen vermutlichen Steinkontakt war das Ventil aus der Felge geflogen und der Jeep ruehrte sich nicht mehr. Der bolivianische Fahrer hatte weder Wagenheber noch Werkzeug dabei, weswegen kurzerhand Eli und Gorm dem Bolivianer den Reifen mit ihrem Werkzeug wechselten. Das fing ja gut an!

IMG_3616 IMG_3620 Abzweigung zum harten Teil der Route                Vorgeschmack auf die PistenIMG_3623 Ohne unser Werkzeug kein Weiterkommen!

Die ersten paar Kilometer ging es dann auf wirklich sehr steinigem Weg quer ueber einen Bergruecken. Der Weg war tief ausgefahren und von handballgrossen Steinen uebersaeht. Trotz der eigentlich richtig guten Bodenfreiheit des kleinen blauen Helden sind wir hier nicht nur einmal mit dem Unterfahrschutz oder der Vorderachse an Steinen haengen geblieben. Oft ist dann Eli ausgestiegen und hat mal ein bisschen auf der Lagunenroute aufgeraeumt und Steine vom Weg geschleppt! Die ersten Kilometer waren wirklich eine Herausforderung! Bei einer Mittagspause fuehlten wir uns dann wie im Zoo. Die vorbeifahrenden Tourjeeps machten extra langsam wie bei einer Safari, um den Touristen ein moeglichst gutes Foto von uns zu ermoeglichen. Diese schauten auch mit heruntergefallenen Kinnladen aus den Fenstern der Offroad-Autos und jubelten uns zu! Wer erwartet schon einen 42 Jahre alten Bus in solchem Gelaende? Genau: Nur wir!

IMG_3645  IMG_3646 Gelaende fuer Jeeps                                                                        oder BullisIMG_3684 Da passt nicht mehr viel dazwischen – Immer Ideallinie fahren ist angesagt!

Ab kurz vor der Laguna Canapa wurde es dann sandiger und weniger uebel zu fahren. Obwohl wir im Vorfeld am meisten Respekt vor den Sand-Abschnitten hatten, haben wir uns bis zum Schluss nie eingegraben und mussten den Bus nie freischaufeln. Doch auch hier sind die Spuren sehr tief und deshalb durchpfluegten wir als wahrscheinlich die niedrigsten Passanten immer wieder den Mittelstreifen zwischen den Spuren mit der Vorderachse. Es gehoert aber auch einiges an Glueck dazu, Bodenkontakt zu vermeiden. Oftmals steht man vor an einer Gabelung, bei der die Entscheidung zwischen 8 oder mehr parallel verlaufenden Spuren ansteht. Wenn man sich dann fuer die Beste entscheidet, heisst das nicht, dass sie nach 250 Metern immer noch gut ist. Die Lagunenroute ist insbesondere zu Beginn ein Labyrinth!

IMG_3637 IMG_3641  Welche Spur ist die Beste?                                                 Glueckssache!IMG_3656  IMG_3658 Eli raeumt die Lagunenroute auf                                                            Und wird dreckig!

Die Laguna Canapa ist die erste von mehreren Lagunen im noerdlichen Teil der Lagunenroute. Neben ihr gibt es noch ein paar weitere. Besonders schoen fanden wir die Laguna Hedionda, die mit ihrem unwirklichen gruen und den vielen Flamingos beeindruckte. Unser naechstes Nachtquartier haben wir an der Laguna Honda bezogen. Sie ist besonders durch ihre Halbinsel beliebt, auf der man sehr nah bis an die Flamingos heranlaufen kann. Nachts ging das Thermometer erstmals auf ca. -5 Grad herunter. Frostig aber dank der trockenen Luft und den gefuellten Waermflaschen gemuetlich warm im Bus! Nur die Angst, dass der Weg am naechsten Tag noch schlimmer wuerde, raubte uns den Schlaf. Aus lauter Sorge um den Bus waren wir wirklich nah an unserer Belastungsgrenze an diesem Tag!

IMG_3670 IMG_3673 Flamingobetrachtung                                            Abflug!

Unser Nachtplatz war die letzte Lagune im noerdlichen Teil der Lagunenroute, die direkt am Weg liegt und von ihr aus geht es in die Berge. Querfeldein ueber Sandfelder und Schotterabschnitte. Auch kleinere Kletterpassagen standen wieder an aber der Weg war laengst nicht mehr so uebel wie am ersten Tag. Der Untergrund ist weicher und Steinkontakt mit der Vorderachse kommt nur noch sehr selten vor. Um uns aus sandigen Situationen auf der Route befreien zu koennen, hatten wir extra in Uyuni noch 2 Holzbretter besorgt, die wir notfalls unter die Reifen schieben konnten. Doch dazu kam es ja gar nicht erst! Der kleine Racker zog unerschrocken auch durch den tiefsten Sand bis auf ca. 4.700 Meter hoch und grub sich auch am zweiten Tag kein einziges Mal ein. Ob es an dem Reifendruck von nur 1,3 Bar lag?

IMG_3695 IMG_3711 Die gruene Laguna Hedionda                   HochlandimpressionenIMG_3724 IMG_4071

Nachdem die hohen Paesse gemeistert waren, ging es dann wieder etwas bergab und schon am fruehen Nachmittag waren wir an der beruehmtesten Lagune Boliviens – der Laguna Colorada! Unser erstes Ziel war der noerdliche Aussichtspunkt, wo wir gemeinsam mit unseren Freunden im blauen Sprinter ruhten. Wir haben dort gekocht und wollten gerade zu den tausenden Flamingos am Ufer heruntersteigen, als ein Parkwaechter intervenierte: Gleich kommen die ganzen Tourjeeps und wenn einer heruntersteigt, dann wuerden das alle machen, deshalb VERBOTEN!

IMG_3798 IMG_3809 Gorm mit der Fahne der Aymara                         Der Baum aus Stein – Arbol de PiedraIMG_3821  IMG_3819 Noch nicht viele VW-Bullis sind ueber die Westroute bis hierhin vorgedrungen .. und so dreckig

Tourfahrzeuge? Das wollten wir eigentlich gar nicht sehen! Wir starteten kurzerhand den Motor und duesten ab zum suedlichen Mirador! Doch auch dort herrschte schon Tourismushochzeit! Als wir ankommen, stehen ca. 4 Tourjeeps da. Eine halbe Stunde spaeter sind es 24! Hunderte Tourteilnehmer laufen herum und machen Fotos. Oft hat man den Eindruck, dass die armen Leute garnicht mehr wahrnehmen, was sie da eigentlich sehen. Schnell raus, Fotos machen und dann weiter. Schade! Nach nur 2 Stunden waren wir dann auch wieder allein in diesem Naturschauspiel.

IMG_3864Invasion der Tourfahrzeuge – Welches wuerdest du nehmen?                     IMG_3859  IMG_3863  IMG_3887 Flamingo Nahaufnahme und abendlicher Blick auf die Lagune vor unseren Fuessen!

Die Laguna Colorada ist naemlich ein wirklicher Knaller. Am Nachmittag faerbt sich das Wasser wegen einer besonderen Algenart, Mineralien und der Sonneneinstrahlung blutrot. Dazu stapfen hunderte, ach tausende, Flamingos durchs seichte Wasser und durchkaemmen die Furchen nach Futter! Wir haben dann kurzerhand entschieden, an diesem schoenen Ort einfach ueber Nacht zu bleiben. Generell herrscht auf der Lagunenroute zumindest nachmittags immer starker bis sehr starker Wind, der auch an diesem Platz bis um halb 8 toste.

IMG_3841  IMG_3870 Die blutrote Laguna Colorada                                           Unser Campingplatz

Ein weiteres Highlight der Lagunenroute ist der Sternenhimmel! Da im Umkreis von mehreren hundert Kilometern keine nennenswerte Stadt ist und somit die Lichtverschmutzung ausbleibt, kann man die Sterne so klar sehen wie nur selten. Fuer uns zumindest war es der schoenste Sternenhimmel, den wir je gesehen haben!

IMG_3891 IMG_3901 Sternenhimmel auf der Lagunenroute                          In der Pfanne gefriert das Wasser

Ab der Laguna Colorada in Richtung Sueden wird der Weg besser, heisst es! Und es stimmt auch. Nach der Passage eines weiteren tief ausgefahrenen Sandfeldes kamen wir am naechsten Morgen bei so etwas wie einer Strasse an, die zwar noch recht steinig ist, aber besser befahrbar ist als alles, was wir zuvor gesehen hatten. Unser erstes Tagesziel war zunaechst eine alte Borax-Fabrik, in der das Zollbuero der bolivianischen Aduana untergebracht ist und dort regelten wir dann unsere Ausreiseformalitaeten. Interessanterweise haben wir bei dem Zollbuero auch einen neuen Hoehenrekord fuer den Bus geschafft. 5030 Meter!

IMG_3945 IMG_3941 Hoehenrekord beim Zoll in Bolivien

Nachdem alles erledigt war, tankten wir den Rest unseres 50 Liter Benzinrvorrates aus Kanistern in den Tank und duesten ueber die fuer Lagunenroute-Verhaeltnisse sehr gute Piste zu den heissen Quellen von Chalviri. Dort badeten wir mit unglaublichem Blick auf die Bergkulisse in ueber 30 Grad warmem Wasser und liessen es uns gut gehen. Die Lagunenroute war nun schon fast geschafft. An den Quellen trafen wir auch auf Franzosen, die mit ihrem Peugeot Boxer auf der Lagunenroute unterwegs waren. Sie erzaehlten, dass sie sich auf der einfacheren Ost-Route 2 Mal so eingegraben hatten, dass sie jeweils 4 Stunden graben mussten, um wieder weiter zu kommen. Ein hoch also auf unsere kleine blaue Bergziege

IMG_3963 Baden mit Ausblick                                                                               IMG_3975  IMG_3973 Auftanken der letzten Reserve unseres 50-Liter Vorrates!

Die letzte Nacht auf der Lagunenroute haben wir an der Laguna Verde, direkt an der chilenischen Grenze verbracht. Morgens um 11 Uhr verfaerbt sie sich von glasklar in hellgruen. Dieses Schauspiel wird dann auch wieder von Touristentouren angefahren, so dass genau zur Verfaerbungszeit unzaehlige Jeeps herumstehen und wir ununterbrochen interviewt wurden. Kurz drauf war wieder alles leer und die Bergwelt gehoerte uns wieder ganz alleine.

IMG_3993  IMG_4001  Lagune Verde um 11 Uhr …                       … und 15 Minuten spaeterIMG_4017  IMG_4045 Unser Campspot am letzten Abend der Lagunenroute   IMG_3989  IMG_3986 Noch schnell den Honig essen, bevor er uns an der chilenischen Grenze abgenommen wird.

Trotzdem hiess es dort Abschied von den beruehmten Route zu nehmen. Nur noch 14 Km trennten uns vom Grenzposten und kurz dahinter faengt der Asphalt wieder an. San Pedro de Atacama in Chile ist nur 47 Km entfernt aber fast 2KM tiefer gelegen als die Grenze. Fuer mehr als eine halbe Stunde konnten wir also den Bus rollen lassen und uns auf den Kulturschock „zurueck in die moderne Welt“ vorbereiten.

IMG_4054 IMG_4051 Wohin solls gehen?                                                   Tschuess Lagunenroute

Wir sind echt froh, mit dem nicht Allrad-Bus so gut durch diese unwirtliche Landschaft durchgekommen zu sein. Er hat sich als wahrer Offroad-Profi erwiesen und alle Pisten ohne mit dem Lampenring zu zucken, gemeistert. Als wir in San Pedro ankamen, haben wir uebrigens ein Paar getroffen, das sich dagegen entschieden hatte, mit ihrem top ausgeruesteten Allradfahrzeug Landrover Defender die Route zu fahren – „wir wollen das Auto ja nicht schrotten!“ So betrachtet haette es bei uns natuerlich auch anders ausgehen koennen, aber wir sind sehr froh und dankbar, dass wir die Lagunenroute auch abseits hunderter Tourfahrzeuge geniessen konnten.

IMG_3927  IMG_3968 Verendetes Vicuna                                         Nochmal die Hochland-Badelandschaft.. schoen!

@Mamas: Uns geht’s gut

IMG_3930 Langsam fahren!

2 Gedanken zu „Das groesste Abenteuer unserer Reise!

  1. Mum and Dad

    Glückwunsch an den guten Fahrer, die prima Aufräumerin und das tolle Busje. Wunderschöne und exotische Bilder für jene, die Zuhause bleiben und wieder ein bestandenes Abenteuer! Weiter gute Fahrt!
    Mama

    Antworten
  2. Alex

    Hi Gorm & Eli,
    schöner Artikel und wahnsinnig tolle Bilder. Da bekomme ich direkt Sehnsucht nach dem Hochland Boliviens. Ich bin immer noch beeindruckt, dass ihr die West-Route so locker-flockig gerockt habt. Die Tour werdet ihr wohl nie vergessen 😉
    Weiterhin gute Fahrt & bis irgendwann irgendwo,
    Alex

    Antworten

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